Abschied

Der  Abschied von einem Menschen

 

Mein lieber Freund ist gegangen. Es widerstrebt mich zu sagen, dass er tot sei oder gestorben wäre.
Und, obwohl ich weiß, dass meine Wörter ähnlich einer kitschigen Kondolenzkarte klingen, muss ich wirklich sagen: „Er ist gegangen!“
…und hinterlässt ein Chaos an Schmerz und  Trauer und warum, und warum so früh…und das weißt er auch. Aber es lässt sich nun nichts mehr machen.
Ich habe ein schönes Grabgesteck bestellt, gleich an dem Tag, als der Brief kam. Und praktisch zeitgleich habe ich angefangen mit ihm zu reden. Somit haben wir die Blumen schon beide bestellt, denn ich fragte ihn, ob es ok wäre, dass es Rosen in weis creme mit hübschen Grün, usw. wären.
Er sagte „Ja prima!“ Und ich wusste, dass es ihn jetzt nicht sonderbar interessiert, welche Farbe die Rosen haben werden, aber er fand´s nett, dass ich ihn gefragt habe.
Sein Todeskampf dauerte lange, fast ein Jahr. Sein Körper wollte sich nicht erholen. Die Maschinen halfen mit das bisschen Leben zu erhalten. Vor zwei Monaten bekam ich die ersten Nachrichten per Internet, während ich an meinen Texten arbeitete. Wollte ich die Texte abspeichern, veränderten sie sich bei Klick in andere Aussagen.
Ich fragte meine „Ständigen Begleiter“, ob ich einen Computerfachmann holen muss. Die lachten nur: „Das wäre kein Virus, sondern Jemand spricht mit mir“
„Na toll“, dachte ich mir
Die Arbeit an der HP war leicht erschwert, aber die Texte voll eindeutig. „ICH STERBE!“, stand dort, hundertfach.
Dann rief meine Mutter an: „Du“, sagte sie „Das ist Er!“
„Das weiß ich bereits!“, antwortete ich und war schon etwas ratlos, denn zu einem hieß es in der Nachbarschaft „es gehe ihm ein wenig besser“ zum anderen hatte ich bereits den Kontakt zu seiner Seele aufgenommen. Eine Seele verlässt nur dann eigenen Körper, wenn dieser mehr oder weniger „tot“ ist (das war mir schon klar)
Meine bangen Fragen an Jenseits gerichtet wurden beantwortet. „Man bemühe sich ihn noch am Leben zu erhalten. Im Herbst wird dann alles in Ordnung!“
Nun ist Herbst gekommen und mit ihm der Brief!
Ich bin irgendwie nicht  traurig, sondern komisch drauf, aber…was tut mir eigentlich Leid? Am meisten natürlich seine Familie, denn sie hatte einen wirklich liebevollen Mann verloren. Es tut, mir leid, dass ich ihn nicht mehr sprechen werde und seine nette nachbarschaftliche Zuneigung nicht mehr körperlich spüren werde.
Ja, so musst es gesagt werden!
Körperlich haben wir uns getrennt. Aber nicht seelisch. Ich rede mit ihm jetzt öfters, als früher.
Der Herbst ist eine Zeit des Abschieds. Manchmal habe ich den Eindruck, dass alle Menschen im Herbst sterben. Es ist natürlich nur eine Einbildung. Sie sterben auch im Sommer, nur-  bei strahlendem Wetter, merkt man das nicht so.
Einen Tag, bevor der Brief kam bin ich spazieren gewesen, angezogen wie ein Urmensch auf Mamut Suche, bewaffnet mit einer einfachen Fotokamera, legte ich los, in die nasse Botanik, auf die Motivsuche.
Vier Stunden lang latschte ich im leichten Regen  durch die Pfützen und schaute zu, wie sich die anfängliche Zahl der Gruppe (Betriebsausflug) von Hälfte, gegen Ende der Veranstaltung auf ein Drittel reduzierte.
Die meisten Menschen dieser Gruppe hatten ja an diesem Tag  gar kein Ziel vor Augen. Sie waren sowohl auf das Wetter, als auch auf den Kontakt mit der Natur unvorbereitet!
Sie empfangen dem entsprechend alles an diesem Tag als eine  Zumutung und Belastung.
Nun freute ich mich dagegen, völlig für die anderen unverständlich, auf meine Fotos, denn im herbstlichen Regen, habe ich noch nie fotografiert. Ich war wirklich gespannt, was dabei raus kommt.
Dabei sind so um die 200 Bilder raus gekommen. Jetzt bin ich dabei einige für eine kleine Ausstellung vorzubereiten.
Mein Freund ist dabei und als ich die Idee hatte, einige der Bilder auf der HP zu veröffentlichen und diese IHM zu widmen, fand er auch schnell diese Bilder raus, die er hier gerne hätte.
Mir fällt noch ein! Das Begräbnis ist  in zwei Tagen…!


Unten sehen sie „Herbstmotive, als mein Freund ging“


Mit herzlicher Widmung an IHN!

Kristallin

(September, 2010)